Local SEO verstehen – Experten-Tipps für mehr lokale Sichtbarkeit

Lokale Suchmaschinenoptimierung ist für regional tätige Unternehmen weitere einer der spannendsten Möglichkeiten zur Neukundengewinnung. Im heutigen Interview sprechen wir mit Local SEO-Experte Semir Lepara, der wertvolle Einblicke in die besonderen Herausforderungen und Chancen gibt – und verrät, wie Unternehmen ihre Präsenz in den regionalen Google-Suchergebnissen gezielt ausbauen können.

Portraitbild von Dirk Veit

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Hallo Semir, lass uns direkt einsteigen. Was verstehst Du unter Local SEO und warum ist es für lokal tätige Unternehmen so wichtig?

Unter Local SEO verstehe ich eine Strategie für alle Unternehmen, die Kunden aus ihrer Region gewinnen wollen. Die Website wird dabei gezielt für lokale Suchanfragen optimiert, damit potenzielle Kunden das Unternehmen bei Google besser finden können.

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Welche ersten Schritte empfiehlst Du einem Unternehmen, das mit Local SEO beginnen möchte?

Sobald man eine Firma gründet, sollte man unbedingt ein Google-Unternehmensprofil anlegen – auch wenn man noch keine Website hat. Hochwertige Bilder hochladen, abgeschlossene Projekte präsentieren, Leistungen sauber beschreiben – das ist das A und O.

Wenn dann eine Website vorhanden ist, sollte man diese so aufbauen, dass sie auf lokale Keywords optimiert ist. Nur so können potenzielle Kunden aus der Region die Seite auch tatsächlich finden.

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Wie wichtig ist ein vollständiges und gepflegtes Google Business Profil (früher: Google My Business) aus Deiner Sicht?

Für lokale Firmen ist das Google-Unternehmensprofil extrem wichtig. Aus meinen eigenen Tests zeigt sich klar: Solange ein Profil in den Top 3 des Local Packs steht, kommen regelmäßig Anfragen rein. Fällt es auf Platz 4, 5 oder noch weiter zurück, gehen im Schnitt 60 % oder mehr der Anfragen verloren. Das macht einen gewaltigen Unterschied – das Profil ist also entscheidend.

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Welche Angaben im Google Business Profil beeinflussen das lokale Ranking besonders stark?

In dem Bereich wird leider viel gespammt, deshalb ist es wichtig, genau zu wissen, was man tut. Aus meiner Erfahrung haben die richtige Hauptkategorie und passende Unterkategorien einen großen Einfluss aufs Ranking. Genauso wichtig: positive Bewertungen – idealerweise mit Keywords und konkreten Leistungen im Text – und hochwertige, eigene Bilder. Keine Stockfotos.

Ich empfehle meinen Kunden, nach Projektabschluss ein Vorher-Nachher-Foto oder ein Teamfoto vom Einsatzort zu machen – und das am besten direkt zusammen mit der Google-Bewertung hochzuladen. Das wirkt nicht nur stark auf potenzielle Kunden, sondern pusht auch das Profil deutlich nach vorne.

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Wie gehst Du mit mehreren Standorten eines Unternehmens um - und wie lässt sich das sauber in der Local-SEO-Strategie abbilden?

Wenn ein Unternehmen mehrere Standorte hat – zum Beispiel in München, Berlin und Hamburg – und die Konkurrenz nicht zu stark ist, reicht in vielen Fällen eine zentrale Website mit separaten Unterseiten für jeden Standort. Zu jeder dieser Seiten gehört dann ein eigener Google-Eintrag, der individuell optimiert wird.

Aber: Wenn wir uns in einer hart umkämpften Branche und in einer großen Stadt befinden, reicht das oft nicht aus. Dann setze ich auf eine andere Strategie: Für jede Stadt eine eigene Website und dazu ein eigener Google-Eintrag. Egal ob Anwaltskanzlei, Steuerberater oder Umzugsunternehmen – so hat man bessere Chancen, sowohl in den Local Maps als auch in den organischen Ergebnissen sichtbar zu werden.

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Welche Rolle spielen lokale Keywords und wie findest Du heraus, welche davon wirklich relevant sind?

Lokale Keywords sind extrem wichtig, denn Nutzer suchen meistens sehr konkret. Wenn jemand in München-Bogenhausen lebt, sucht er eher nach „Zahnarzt München-Bogenhausen“ als nach „Zahnarzt München-Pasing“.

Das Problem: Viele gängige SEO-Tools (Sistrix, Semrush, Ahrefs etc.) zeigen solche lokalen Keywords oft gar nicht an – vor allem nicht für kleinere Städte oder Branchen mit wenig Suchvolumen.

Was ich dann mache: Ich analysiere vergleichbare Firmen in größeren Städten wie München, Berlin oder Hamburg und prüfe, welche Keywords dort ranken. Dann schaue ich, ob sich diese Keywords auch auf mein Projekt übertragen lassen.

Wenn bereits eine Website vorhanden ist, nutze ich die Google Search Console – kombiniert mit Regex – um reale Suchanfragen zu identifizieren. Daraus baue ich dann eine Keyword-Map und eine passende Struktur, auf deren Basis ich die Inhalte plane und erstelle.

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Wie optimierst Du Inhalte (z. B. Standortseiten, Blogbeiträge) gezielt für lokale Suchanfragen?

Ich habe vieles ausprobiert – aber diese Strategie hat sich als die effektivste gezeigt: Die Startseite sollte für das Haupt-Keyword der Branche optimiert sein – sofern das Sinn macht. Sie ist das Fundament der gesamten Website.

Nehmen wir die Umzugsbranche als Beispiel. Viele Agenturen machen hier typische Fehler: Sie versuchen, alle Keywords auf einer Seite unterzubringen oder verteilen sie falsch. Ich optimiere die Startseite z. B. für „Umzugsunternehmen in München“ und ergänze sinnvolle Sub-Keywords wie Umzugsfirma, Umzüge, Umzug usw. Wichtig ist, dass der Text sowohl für Leser angenehm bleibt als auch für Google klar strukturiert ist.

Für jede Leistung erstelle ich eine eigene Unterseite – z. B. Privatumzug in München oder Firmenumzug in München. Wenn das Unternehmen auch im Umkreis aktiv ist, kommen Standortseiten für Orte wie Freising oder Starnberg hinzu – selbst ohne dort ansässig zu sein. Das erhöht die Reichweite und bringt gezielte Anfragen.

Blogbeiträge lasse ich am Anfang meist weg. Erst wenn die Seite bei den wichtigen Keywords gut rankt, kommen informative Inhalte dazu. Ausnahme: Wenn viele Fragen offen sind oder hohes Suchvolumen vorhanden ist – dann lohnt sich früher ein Beitrag wie „Tipps für den Umzug nach München“.

Solche Inhalte helfen beim Autoritätsaufbau, stärken über interne Verlinkungen die Startseite und Unterseiten und bieten echten Mehrwert für potenzielle Kunden.

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Und welche Bedeutung haben lokale Backlinks und wie stehst du zu Branchenbucheinträgen?

Branchenverzeichnisse sind im Local SEO ein wichtiger Faktor. Google nutzt diese Quellen, um zu verifizieren, ob es sich bei einem Unternehmen wirklich um eine lokale Firma handelt – im Gegensatz zu bundesweiten oder reinen Online-Anbietern.

Was ich in jedem Projekt mache: Zuerst die wichtigsten Branchenbucheinträge anlegen – sauber, einheitlich, vollständig. Das ist der erste Schritt. Wenn wir es dann trotz Content, Technik und lokaler Struktur nicht in die Top 5 schaffen, kommt der nächste Hebel: lokale Backlinks.

Die beschaffe ich z. B. über hochwertige Gastbeiträge auf lokalen Blogs oder Vereinsseiten. Das funktioniert erstaunlich gut – viele Betreiber veröffentlichen solche Inhalte gern, wenn sie informativ und professionell aufbereitet sind. Diese Links sind oft wertvoller als jeder gekaufte Link von dubiosen Quellen. Sie bringen thematische Relevanz, Vertrauen und helfen dem Ranking spürbar.

Kurz gesagt: Ja, lokale Backlinks sind extrem wichtig – aber der richtige Aufbau beginnt mit den Basics.

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Wie wichtig sind strukturierte Daten (z. B. LocalBusiness Markup) für gutes lokales Ranking?

Sehr wichtig. Ohne strukturierte Daten mache ich kein Local SEO. Das LocalBusiness-Markup gehört bei mir zur Standardausstattung – inklusive Name, Adresse, Telefonnummer (NAP), Öffnungszeiten, Leistungen, Bewertungen usw. Wenn das nicht sauber hinterlegt ist, verschenkt man Potenzial. Jeder, der lokal sichtbar sein will, sollte das implementieren.

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Welche Rolle spielen Kundenbewertungen - und wie gehst Du strategisch mit Rezensionen um?

Bewertungen sind einer der stärksten Rankingfaktoren im Local SEO – vor allem im Google-Unternehmensprofil. Sie sollten aktiv und regelmäßig gesammelt werden, auf verschiedenen Plattformen – nicht nur über Google.

Wichtig ist, dem Kunden den Bewertungsprozess so einfach wie möglich zu machen. Viele wissen nicht, wie es geht – hier helfen QR-Codes, Bewertungslinks oder kurze Erklärungen. Ich empfehle auch, alternative Plattformen wie ProvenExpert oder Trustpilot in Betracht zu ziehen, da Google diese Bewertungen ebenfalls auswertet.

Jede Bewertung sollte zeitnah beantwortet werden – positiv wie negativ. Bei kritischen Bewertungen ist es wichtig, sachlich zu bleiben, professionell zu antworten und eine Lösung anzubieten. Auch 1-Stern-Bewertungen können langfristig Vertrauen schaffen, wenn die Reaktion souverän ist

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Wie nutzt Du Social Media oder lokale PR-Maßnahmen zur Unterstützung Deiner Local-SEO-Ziele?

Wenn möglich, nutze ich jeden relevanten Kanal, um mehr Sichtbarkeit zu erzeugen. Das heißt: Social-Media-Profile erstellen, regelmäßig posten, Kundenprojekte zeigen. Besonders gut funktioniert alles, was echt ist – also z. B. einfache UGC-Videos direkt von der Baustelle oder vom Einsatzort.

Ich empfehle meinen Kunden: Dreht keine Hochglanzvideos, sondern authentische Clips. Zeigt, was ihr macht. Diese Videos bringen oft mehr lokale Aufmerksamkeit als jede bezahlte Anzeige.

Auch lokale PR lohnt sich: Eine kleine Aktion in der Nachbarschaft, eine Kooperation mit einem Verein, ein Pressebericht – das bringt Aufmerksamkeit, Vertrauen und im besten Fall auch lokale Backlinks.

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Gibt es Tools oder Plattformen, die Du regelmäßig für Local SEO einsetzt oder empfehlen kannst?

Die Google Search Console ist für mich die wichtigste Datenquelle – egal ob für Local SEO, Online-Shops oder größere Portale. Von dort bekomme ich die echten Keywords, echte Nutzerfragen, echte Ergebnisse.

Für Local SEO empfehle ich außerdem das Tool Localo. Es ist einfach zu bedienen, man kann mehrere Google-Unternehmensprofile verwalten, Bewertungen im Blick behalten und die Sichtbarkeit im Local Pack überwachen. Ich nutze es regelmäßig und kann es jedem empfehlen, der professionell mit Local SEO arbeitet

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Warum scheitern so viele lokale SEO-Projekte aus Deiner Sicht? Wie kann man es besser machen?

Ich habe viele Projekte gesehen, die auf den ersten Blick technisch sauber aufgesetzt waren. Trotzdem liefern sie keine Ergebnisse – weil das lokale Fundament fehlt.

Ein klassisches Beispiel: Eine Firma aus Hamburg bietet Parkettverlegung an. Die Webseite beschreibt überall, wie professionell sie arbeiten – aber der Standort wird nirgends erwähnt. Kein „Hamburg“ in den H1- oder H2-Überschriften, nicht mal im Fließtext. Nur im Impressum. Aus Google-Sicht ist das dann keine lokale Firma – und entsprechend schlecht wird die Seite eingeordnet.

Das Gleiche gilt für Steuerberater, Anwälte oder Handwerksbetriebe. Wenn man lokal gefunden werden will, muss man Google auch klar sagen: Wir sind eine lokale Firma. Und wir arbeiten hier.

Was ich außerdem oft sehe: Es fehlen optimierte Leistung-Seiten. Es wird versucht, alles über eine Startseite abzudecken. Und dann wird versucht, das Ranking mit gekauften Links zu pushen – oft von Seiten, die mit dem Thema gar nichts zu tun haben. Wenn dann eine Webseite mit 10 Besuchern plötzlich einen Link von einem großen Magazin bekommt, wirkt das einfach nicht glaubwürdig.

Was sehr oft fehlt: Branchenverzeichnisse. Dabei sind genau diese Einträge wichtig, um Google zu zeigen: Dieses Unternehmen existiert wirklich – an einem echten Ort.

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Wie misst Du konkret den Erfolg Deiner Local-SEO-Maßnahmen - und auf welche Kennzahlen achtest Du besonders?

Für mich zählt am Ende eine einzige Kennzahl: qualifizierte Anfragen. Alles andere – Rankings, Sichtbarkeit, Traffic – ist zweitrangig, wenn am Ende keine Kunden anrufen oder schreiben.

Ich optimiere Websites gezielt für Keywords, die relevante Anfragen bringen. Wenn ein Anwalt für Arbeitsrecht Anfragen zu Immobilienrecht bekommt, haben wir etwas falsch gemacht.

Wir messen Erfolge durch klassische Tracking-Methoden:
  • Anrufe mit Call-Tracking
  • Kontaktformulare mit eindeutiger Kennzeichnung
  • UTM-Parameter für Sonderseiten
  • Rückfragen beim Kunden selbst

Ich bitte jeden Kunden, aktiv nachzufragen: Wie sind Sie auf uns gekommen? Wenn jemand sagt: über Google, fragen wir weiter: Was haben Sie eingegeben? – So bekommen wir ein gutes Gefühl für reale Suchintentionen.

Wenn die Anzahl der Anfragen steigt, zahlt sich SEO aus. Wenn nicht – dann stimmt etwas nicht. Ganz einfach.

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Wie siehst Du die zukünftige Entwicklung von Local SEO - welche Trends sollte man schon jetzt im Blick behalten?

Der Kern von Local SEO hat sich in 20 Jahren nicht verändert: Es geht darum, Kunden aus der Region zu erreichen. Was sich geändert hat, sind die Anforderungen – technischer, inhaltlicher und struktureller Natur.

Was heute wichtiger ist denn je: sich als Experte in der eigenen Branche zu positionieren. Wer etwas zu sagen hat – sei es als Parkettleger, Anwalt oder Steuerberater – sollte das zeigen. Ich empfehle in solchen Fällen: Ratgeber schreiben bzw. regelmäßig Inhalte veröffentlichen. Nicht täglich, aber ein bis vier Beiträge im Monat können ausreichen, um Autorität aufzubauen.

Solcher Content wird zitiert, verlinkt und stärkt den Markenaufbau. Gerade bei Einzelunternehmen, UG´s oder GbR´s ist das enorm wichtig, da sie oft weniger Vertrauen genießen als GmbH´s.

Was viele nicht wissen: Kunden googeln nicht nur nach Leistungen, sondern auch nach dem Inhaber. Sie schauen ins Impressum, suchen nach Erfahrungswerten. Wenn man dann als Experte auf einer Fachseite, einem Blog oder sogar in der Lokalzeitung erwähnt wird, ist das ein starker Vertrauensfaktor – sowohl für Menschen als auch für Google.

Ein weiterer Punkt: Wenn man Dienstleistungen in einem größeren Umkreis anbietet – z. B. rund um München – lohnt es sich, zusätzliche Unterseiten für umliegende Orte zu erstellen. Vor allem, wenn man dort kostenlose Besichtigungen oder Leistungen anbietet. So steigert man die Sichtbarkeit gezielt in Regionen, in denen man aktiv ist – ohne dort physisch ansässig zu sein.
Vielen Dank für die Einblicke!

Gerne!

Experte: Semir Lepara

Portraitbild von Local SEO-Experte Semir Lepara

Semir Lepara ist SEO-Experte mit über 20 Jahren Erfahrung, davon rund 15 Jahre im Bereich Local SEO. Mit klarem Fokus auf Ergebnisse und Markenaufbau unterstützt er Unternehmen dabei, über Google planbar mehr qualifizierte Anfragen zu gewinnen.

In den letzten fünf Jahren hat er sich verstärkt auf E-Commerce-SEO spezialisiert, zahlreiche Schulungen besucht und sich in diesem Bereich noch erfolgreicher etabliert als im Local SEO.

Als Entwickler erprobter Strategien setzt er auf Praxistests, Automatisierung und strukturierten SEO-Content speziell für stark umkämpfte Branchen und Städte.

Aus seiner Erfahrung hat er zudem einen eigenen Local-SEO-Kurs entwickelt, der auf erprobten Strategien und bewährten Prozessen basiert. Auf seiner Website lepara.de veröffentlicht er regelmäßig praxisnahe Beiträge und Case Studies aus verschiedenen Projekten.

Semir auf Social Media:

Interviewer: Andreas Schudey

Andreas Schudey

Andreas ist der Gründer von Mein SEO Workshop. Auf der Plattform hast Du verschiedene Möglichkeiten, selber SEO zu lernen, beispielsweise mit dem SEO Online Kurs oder einem SEO Webinar.
Im Fokus steht dabei immer, die wichtigsten SEO Strategien und Rankingfaktoren praxisnah und verständlich zu vermitteln.

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